"Blau"

Die Sonne scheint, Musik spielt und die Welt scheint perfekt, doch innerlich ist sie traurig. „Blue“ fängt den Schmerz des Vermissens einer geliebten Person ein, während die Welt sich um einen herum weiterdreht. Vor der Kulisse eines schwülen, heißen Sommers wird eine Geschichte von einer längst verlorenen Liebe und dem stillen Schmerz der Abwesenheit erzählt.

"Blau"

Der Himmel ist diese Art von perfektem, endlosem Blau, das nur dem Sommer gehört.

Die Luft summt vor Hitze, der Geruch von Salzwasser mischt sich mit Sonnencreme und einer leichten Kokosnote. Wellen schlagen in einem langsamen, rhythmischen Tanz gegen das Ufer, jede Wasserkrone ein Spiegel der Sonne über ihr. Es ist der Art von Tag, der dich frei und lebendig fühlen lässt. Die Welt fühlt sich leicht an, voller Möglichkeiten, aber alles, was sie fühlen kann, ist der schwere Schmerz der Abwesenheit.

Sie ist umgeben von Lachen und Geplapper, den Geräuschen von Menschen, die ihre perfekten Sommertage genießen. Der Ozean erstreckt sich endlos vor ihr, und irgendwo in der Ferne hört sie die sanften Klänge von No Other Lovers Musik durch die Luft schweben, als wäre es Teil der Landschaft selbst, kühl und unbekümmert, genau wie die Stimmung aller um sie herum.

Aber innerlich schmerzt es sie.

Es sollte ein perfekter Tag sein, einer, der dich fühlen lässt, als würdest du in einer Postkarte leben. Alle anderen scheinen ihn zu genießen, strahlen von der Sonne, lachen mit Freunden, nippen an Drinks aus hohen Gläsern, deren Eiswürfel im Takt der Wellen klirren. Die Hitze umhüllt sie wie eine Decke, aber sie kann die Kälte nicht abschütteln, die sich tief in ihr festgesetzt hat.

Sie nimmt einen langen Schluck von ihrem kalten Getränk, ihre schönen Augen schweifen über die Menge, ihr Herz sinkt mit jeder vergehenden Sekunde ein wenig mehr. Die Abwesenheit ihres Geliebten drückt gegen ihre Brust, eine Last, die sie nicht ignorieren kann.

Ihre Finger streifen unbewusst den Rand ihres Telefons. Eine Sehnsucht, mit ihm zu sprechen. Der Gedanke huscht ihr durch den Kopf, aber das Zögern kommt genauso schnell.

Stattdessen dreht sie sich weg und schließt die Augen gegen das helle, unerbittliche Sonnenlicht. Die Wärme des Bootes unter ihr und das Geräusch der Wellen sollten beruhigend wirken, sollten sie in diesen Moment ziehen, aber es macht die Abwesenheit nur schärfer.

Sie lehnt sich zurück und lässt ihre Sonnenbrille gerade so weit herunterrutschen, dass sie die Welt durch einen sanften Schleier sieht. Das Boot schaukelt sanft unter ihr, und sie stellt sich vor, wie es wäre, wenn er jetzt neben ihr wäre, sich an sie lehnen würde, die Wärme seines Körpers nahe. Vielleicht würde er zu dem Lied mitsingen, seine Stimme ein wenig schief, aber irgendwie perfekt in ihrer Unvollkommenheit. Vielleicht würde er sie an sich ziehen, seine Arme um sie legen, und für einen kurzen, flüchtigen Moment würden sie gemeinsam in den Augenblick entfliehen.

Aber er ist nicht hier.

Sie streicht sich eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht und seufzt, ihr Atem stockt in der Brust. Sie kann nichts dagegen tun.

Die Musik wechselt, und eine vertraute Melodie erfüllt den Raum, das gleiche Lied, das immer im Hintergrund ihrer gemeinsamen Zeit zu spielen schien. Es versetzt sie zurück in jenen ersten Abend, den sie zusammen verbrachten, wie er sie ansah, als würde er etwas sehen, das niemand sonst sehen konnte. Sein Lachen, der Funke in seinen Augen, als er sie an sich zog, und wie jedes Wort von dem Versprechen von mehr erfüllt war. Jede Berührung war eine Erklärung, ein stilles Versprechen der Freude, die er in ihre Welt brachte.

Sie spürt immer noch die Wärme seiner Lippen auf ihren, wie seine Hände über ihre Haut wanderten, als wollte er sie sich einprägen. Es fühlte sich damals alles so perfekt an. So mühelos. Als wären sie beide genau da, wo sie sein sollten.

Jetzt fühlt sich alles ein wenig gedämpft an. Die Sonne ist immer noch warm, die Brise trägt immer noch diesen salzigen Geschmack, aber alles fühlt sich so… hohl an.

Die Menge setzt ihr unbekümmertes Geplapper fort, und sie wird in die Gegenwart zurückgezogen. Die Welt dreht sich weiter, wirbelt in ihrem chaotischen Rhythmus, aber sie steckt in der Erinnerung an ihn fest. In der Erinnerung an sie beide.

Ihr Herz setzt einen Schlag aus, und für einen Moment fragt sie sich, ob er auch an sie denkt. Sie schließt die Augen wieder und versucht, die warme, sonnenverwöhnte Luft den leeren Raum in ihr füllen zu lassen. Könnte er das auch fühlen? Könnte er sie vermissen, oder ist sie nur in einem Moment der Sehnsucht gefangen, der außerhalb ihrer Kontrolle liegt?

Sie nimmt einen weiteren langen Schluck von ihrem Getränk, die Kühle im Kontrast zu der Hitze, die sich in ihr aufbaut. Die Musik wechselt wieder, und sie lässt sich von der Melodie treiben, lässt sich vom Rhythmus des Liedes wie von einem Kokon umhüllen. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, in diesem Moment allein zu sein. Vielleicht ist es eine Chance, sich daran zu erinnern, wie es sich anfühlte zu lieben, auch wenn es nur die Erinnerung daran ist.

Und während das Lied weiterspielt, lächelt sie sanft und erlaubt sich, ihn noch einmal an ihrer Seite vorzustellen. Denn in ihrem Herzen ist er nie wirklich gegangen.

Sie ist nur traurig ohne ihn.

 

No Other Lover

xoxo